Ab Frühling 2008 ist die Erlebniswelt Toggenburg um eine Attraktion reicher.

Der Bütschwiler Walter Koller stellt dem Museum seine umfangreiche Sammlung an Dampfmaschinen-Modellen als Leihgabe zur Verfügung.

 

Watt'sches Paralellogramm, ein Prunkstück aus der Sammlung von Walter Koller

Dampfmaschinen haben die Industrialisierung geprägt wie wohl keine Erfindung zuvor. Mitte des 18. Jahrhunderts in England erfunden, veränderten sie die Welt fundamental. Sie produzierten ein grosse Menge an Energie und waren damit Voraussetzung für die Industrialisierung. Diese Kraftmaschinen, die chemische Energie aus Brennstoffen teilweise in mechanische Arbeit umwandelten, erlaubten den Bau zentralisierter Fabriken und mechanisierten die Landwirtschaft. Und eben diesen Dampfmaschinen und der Technik, die sich dahinter verbirgt, ist der Bütschwiler Walter Koller verfallen. Seit Jahrzehnten schon sammelt er Modelle und fertigt eigene Dampfmaschinen im Kleinformat an.

Eigentlich wollte der gelernte Maschinenschlosser und Absolvent der Werkmeisterschule seine Sammlung zu Schulungszwecken einsetzen und die jungen Leute so mit der Funktionsweise der verschiedenen Dampfmaschinen-Typen vertraut machen. Koller war zu jenem Zeitpunkt allerdings sowohl familiär als auch beruflich stark ausgelastet und stellte diese Idee deshalb hinten an bis sie gänzlich versandete. Die Faszination blieb aber auch so und Walter Koller werkelte weiterhin in seiner Werkstatt, die laut eigener Aussage jener eines Feinmechanikers durchaus Konkurrenz machen würde.

Mit den Jahrzehnten sind unter des Bütschwiler Werkmeisters geschickten Händen über 30 Dampfmaschinen entstanden; solche von James Watt, von George Stephenson, George Henry Corliss und James Coombes. Zu Kollers Sammlung gehören aber nicht nur Dampfmaschinen sondern auch über 100 Zubehörteile wie etwa Motoren, Generatoren, Kessel und Pumpen. Und eigens für die Ausstellung in Lichtensteig hat er auch so genannte Transmissionen gebaut. Diese Transmissionen erlauben es, verschiedene Maschinen mit einer einzigen Energiequelle anzutreiben.

In seiner Kindheit kam der in St. Gallen aufgewachsene Walter Koller erstmals mit einer Dampfmaschine in Kontakt, und zwar über den Bruder seines Grossvaters, der im Besitz einer solchen Maschine war. Kollers Interesse war damit geweckt und die Faszination der Mechanik rund um die Funktionsweise liess ihn nicht mehr los. Kommt hinzu, dass auch seine berufliche Tätigkeit direkt mit Maschinen und Werkzeugen zu tun hatte, wenn auch die Dampfmaschinen längst von Elektromaschinen abgelöst wurden. Über seine Arbeitgeber – zuerst die Firma Bührle Oerlikon und später die Firma Schöller Schaffhausen – war Walter Koller lange Jahre im Ausland tätig: In Schweden, England, Pakistan und Afrika. Zurück in der Schweiz liess er sich mit seiner Familie in Bütschwil nieder und arbeitete bis zur Pensionierung bei der IG Pulvertechnik AG in Bazenheid.
       
Schon in jungen Jahren baute Koller seine erste Dampfmaschine, der stetig weitere folgten. Über regelmässige Ausstellungsbesuche kam er immer wieder zu neuen Modellen – und so wurde Walter Koller zum Sammler.
       

Inzwischen ist er 71 Jahre alt und stand vor der Frage, wie er seine Sammlung der Nachwelt erhalten kann. Über einen Zeitungsartikel wurde er auf die Erlebniswelt Toggenburg aufmerksam und in ihm reifte der Entschluss, seine Sammlung diesem Museum zur Verfügung zu stellen. «Ich habe damit nicht nur die Möglichkeit, sie der Öffentlichkeit zugängig zu machen sondern auch die Gewähr, dass sie als Ganzes erhalten bleibt», sagt er. Die Verantwortlichen der Erlebniswelt freuts, passt die Dampfmaschinen-Sammlung doch perfekt zur Philosophie ihres Museums. «Wir legen Wert darauf, dass hinter den Einzelausstellungen eine Person steht. Bei den alten Motorrädern und landwirtschaftlichen Geräten ist das Sepp Schlumpf, bei der Modelleisenbahn Ludwig Weibel, bei den astronomischen Uhren Werner Anderegg und bei den Dampfmaschinen eben Walter Koller», betont Ernst Kengelbacher von der Erlebniswelt Toggenburg GmbH.